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Elegant und mondän


Dort, wo einmal der Grenzübergang war, betritt der Fußgänger heute eine andere Welt - ab hier gibt sich die Friedrichstraße zunehmend eleganter und mondäner. Neue Häuser aus Glas und Stahl entstanden - gegenüber vom Checkpoint das Triangel-Haus, das American Business Center, gleich daneben das Philip-Johnson-Haus. Das Gebäude an der Friedrich-/Ecke Krausenstraße nimmt Berliner Bautraditionen auf und verbindet sie mit modernen Architekturauffassungen. Vor dem Haus wirbt die lustige Skulptur "Houseball" um die Aufmerksamkeit der Flaneure. 
 
Direkt an der Ecke Friedrich-/Zimmerstraße, dort wo bis 1989 die Mauer verlief, residiert das Café Adler. Die Inschrift am Haus mit der Nummer 206 "Apotheke zum weißen Adler - kurfürstlich priviligiert 1696" ist irreführend. Zu damaliger Zeit entstand der restaurierte Barockbau mit ursprünglich zwei Geschossen noch gar nicht. Die Apotheke zog 1822 in das Haus und blieb dort bis vor ungefähr 30 Jahren. Das älteste Haus Kreuzbergs blieb von der Abrisswut verschont. Nicht nur das Haus ist alt, auch das Mobiliar des Cafés scheint abgewetzt. Im Café Adler hat man sich noch nicht von der Geschäftigkeit der modernen, der neuen Friedrichstraße anstecken lassen. Es läuft geruhsam. In Richtung Mitte folgt eine Vielzahl neuer Cafés, Bistros und Restaurants, oft Schnellrestaurants, in denen Touristen kurz Halt machen oder die Beschäftigten der zahlreichen neuen Büros ihre Pause verbringen. Hier boomt das Geschäft am Tage, wenn die Angestellten der Banken, Anwaltsbüros, Verbände und Versicherungen auf die Straße strömen. Am Abend wird es ruhiger.

Ein Flair von Luxus

Ein Flair von Luxus spürt man im Quartier 206. Internationale Boutiquen, Geschäfte namhafter Designer, exklusive Anbieter locken zum gehobenen Shoppen. Das Quartier macht nur einen Teil der Friedrichstadtpassagen aus. Sie führt unterirdisch mehr als einen Viertelkilometer gen Norden, unterquert die Tauben- und die Jägerstraße, um an der Fransösischen Straße zu enden. Die Friedrichstadtpassage verbindet die Quartiere 205, 206, 207.

Quartier 205
 Quartier 205
Quartier 206
 Quartier 206
Quartier 207
 Quartier 207

Von den zahlreichen Neubauprojekten längs der Friedrichstraße waren die drei Blöcke der Friedrichstadtpassage nicht nur die ersten, sondern auch die spektakulärsten. Und wohl auch die teuersten, die Bausumme lag bei 1,4 Milliarden Mark. 
 
Zentrales und namensgebendes Motiv ist die Ladenpassage, die die drei Karrees in den Untergeschossen miteinander verbindet. Eine Idee, die die Tradition der Architektur des 19. Jahrhunderts aufnimmt. Zwar miteinander verbunden, könnte die Architektur der drei Karrees doch kaum unterschiedlicher sein. Als einziges umfasst das südliche Quartier 205 den ganzen Straßenblock. Den Kern bildet ein großer achtgeschossiger Block, um diesen herum sind symmetrisch sechs Einzelgebäude gruppiert. 
 
Einen extremen Gegenpol zur glatten, steinernen Fassade des Quartiers 205 bildet der Nachbarblock des Amerikaners Henry Cobb. Vor- und zurückspringende Fassadenelemente sorgen für Unruhe. Die Verspieltheit wird im Inneren des Gebäudes weitergeführt. Das mit bunten Steinplatten gemusterte Atrium bildet den Kern. 
 
Der nördliche Block des Franzose Jean Novel, hier zog Galeries Lafayette ein, kam in der Architekturkritik am besten weg. Die Außenhaut besteht komplett aus Glas. Auch im Innern wurde ausschließlich mit Glas und anderen transparenten Baustoffen gearbeitet. Für den damaligen Geschäftsführer des Lafayette, Joseph Stoffer, ist es das "schönste Haus der Stadt". Darüber lässt sich streiten. Doch schöne Dinge findet man in dem Kaufhaus gleichwohl. Französicher Chic wird auf 8.000 m² offeriert, auch Markenmode zu erschwinglichen Preisen. Ein besonderer Anziehungspunkt ist die Feinschmeckerabteilung im Untergeschoss.

Grundständige Unternehmen

Neben den Nobelboutiquen und luxuriösen Geschäften haben auch grundständige Unternehmen an der Friedrichstraße ihren Sitz genommen. Buchhandlungen wie Hugendubel und Dussmann sind an der Flaniermeile vertreten. Opel, VW, Audi und BMW präsentieren ihre Autos in riesigen Salons. Und einige Verbände haben sich in der alten und neuen Mitte niedergelassen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. war der erste Spitzenverband der deutschen Wirtschaft, der nach Berlin übersiedelte. 1998 zog er in den Neubau an der Ecke Leipziger/Ecke Friedrichstraße. Von hier aus nimmt er die Interessen seiner 463 Mitgliedsunternehmen wahr. 
 
Auch der Deutsche Beamtenbund ist an die Friedrichstraße gezogen, nicht in einen Neubau, sondern in ein geschichtsträchtiges Gebäude. Das Pschorr-haus an der Friedrich-/Ecke Behrenstraße entstand 1880 und beherbergte damals eins der vornehmsten Bierhäuser. Wechselhaft ist die Geschichte des Hauses. Man trank Bier oder ließ sich von Castans Panoptikum erschrecken, das sich hier zweitweise befand. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte oben die SED-Kreisleitung Mitte hier ihren Sitz, unten die Kronenapotheke. Nach der Wende wurde es das "Haus der Demokratie", in dem Vertreter der Bürgerbewegungen arbeiteten. Nachdem das Haus von der Treuhand an den Beamtenbund verkauft wurde, mussten die Bürgerrechtsgruppen 1999 ausziehen. 
 
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