Ein stolzes Gebäude

Die Geschichte des Internationalen Handelszentrums ist zwar noch jung, nicht einmal 40 Jahre alt, dennoch interessant. Als World-Trade-Center Mitte der 70er Jahre angedacht, vom damaligen Generaldirektor der Baudirektion Hauptstadt Berlin entworfen, von Japanern gebaut – ist es damals wie heute der Sitz des internationalen Handels.

Das IHZ-Hochhaus

Schon von weitem lässt sich das IHZ verorten. Das 93 Meter hohe Bürohaus, direkt am berühmten Bahnhof Friedrichstraße gelegen, ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen in Berlins alter und neuer Mitte. Mit seinen dunklen Scheiben, umrahmt von weißem Kunststoff, gehört das Internationale Handelszentrum zu den markantesten Gebäuden der Stadt.

Schon die Errichtung des Gebäudes brachte Internationalität in die Friedrichstraße. In den 70er Jahren wurde es vom Chefarchitekten und Direktor der Aufbauleitung Ostberlins Erhardt Gißke entworfen und betreut, und von der japanischen Kajima Corporation errichtet.

Von der Geburtsstunde an war das IHZ eine anerkannte Adresse und hatte seinen festen Sitz im internationalem Handelsgeschäft. So residierten schon zu Beginn Unternehmen eines jeden Kontinentes im Internationalen Handelszentrum. Und die Aussichten blieben gut – mit seiner stolzen Höhe von 93 Metern ragt es noch heute weit über die Dächer des Berliner Zentrums.

Die Idee für den Bau eines IHZ entstand 1975 im gemeinsamen Wirtschaftsrat Japans und der DDR. Das Handelszentrum sollte den Außenhandel der DDR, insbesondere mit nichtsozialistischen Ländern, befördern. Gebaut werden, sollte das IHZ direkt am Bahnhof Friedrichstraße und somit deutlich sichtbar für den Westen – ein Merkzeichen. Der Standort war jedoch keine neue Idee. Bereits 1921 plante Mies van der Rohe jenseits der Bahngleise, zwischen Bahnhof und Spree, ein prismaförmiges Hochhaus aus Glas und Stahl. Der spektakuläre Entwurf des berühmten Architekten wurde allerdings nicht realisiert, da die technischen Möglichkeiten das damals nicht zuließen.

Funktion und Finanzierung des IHZ waren gleichermaßen systemübergreifend. Der Bau wurde gemeinsam mit den Japanern ausgeführt. Die Kajima Corporation Tokio hatte Erfahrungen im Hochhaus Bau. Sogar die Stahlkonstruktionen wurden aus Japan angeliefert.

Die  Grundsteinlegung erfolgte am 14. September 1976. Im darauf folgenden Frühjahr war die 25-geschossige Stahlkonstruktion des Gebäudes montiert, so dass am 27. Mai 1977 Richtfest gefeiert werden konnte. Durch einen Dollar-Kredit der Partner wurde das ebenso ehrgeizige wie kostspielige Projekt vorfinanziert. Den Kredit refinanzierte das IHZ durch seinen laufenden Betrieb. Nach der Übergabe am 1. September 1978 waren Büros und Etagen des Internationalen Handelszentrums schnell vergeben. Bereits im Jahr der Eröffnung mieteten sich zahlreiche internationale Firmen aus insgesamt 26 Ländern ein – unter anderem aus Australien, Brasilien, Frankreich, Indien, Skandinavien, der Schweiz, den USA und Japan. Allein die Japaner waren mit 18 Unternehmen vertreten, auch Firmen wie Shell oder Lewis Straus hatten im IHZ eine Niederlassung. Die Miete wurde in Dollar gezahlt. Nach sechs Jahren war der Kredit getilgt.

Architekt des IHZ: Erhardt Gißke
Architekt Erhardt Gißke (rechts)  © (c) WBM

Regelmäßig versammelten sich in dem Hochhaus Geschäftsleute aus aller Welt zu Symposien, Tagungen, Konferenzen und Firmenpräsentationen. Extra dafür wurden in der dritten Etage Salons eingerichtet. So war der Japanische Salon im ostasiatischen Design gestaltet, im Zeiss-Salon dominierten Motive vom VEB Carl Zeiss Jena. Im Gutenberg-Salon war eine Wand Johannes Gutenberg – dem Erfinder des Buchdrucks – vorbehalten. Porzellan aus Meißen wiederum bestimmte das Bild des Meißner Salons. 

Mit dem Fall der Mauer änderte sich das ursprüngliche Geschäftsfeld des IHZ. Botschaften, Kanzleien, internationale Fluggesellschaften etc. kamen hinzu. Um auf dem aktuellsten Stand zu bleiben, wurde das IHZ (inkl. seiner Büroräume und die technische Ausstattung) in den 90er Jahren grundlegend modernisiert. Heute gibt es bis zu 28 Büros pro Etage; mehr als 500 Arbeitsräume insgesamt.

Der Architekt Erhardt Gißke

Vom gelernten Maurer zum Baudirektor Ostberlins - Erhardt Gißke (1924-1993) war sowohl der Architekt des IHZ als auch Baudirektor vieler in der DDR entstandener Bauten Ostberlins. Unter anderem leitete er die Bauvorhaben für die Stalinallee, den Palast der Republik sowie das Sport- und Erholungszentrum.

Nachdem Gißke die Ingenieurschule absolviert hatte, arbeitete er in einer Planungsabteilung. Als im Mai 1950 der Ort Bruchstedt durch ein Hochwasser fast flächendeckend zerstört wurde, ernannte die SED-Landesleitung Gißke zum Baumeister. Er stand vor der Herausforderung den schnellen Wiederaufbau zu planen. Die Organisation schloss er innerhalb von nur 50 Tagen ab. Als technischer Leiter konzentrierte Gißke sich von 1952 bis 1956 auf den Aufbau der Stalinallee.

1956 wurde Gißke zum Stellvertreter des Chefarchitekten von Berlin Hermann Henselmann ernannt. In dieser Position beschränkte sich seine Verantwortlichkeit auf die Umsetzung der städtebaulichen Pläne und architektonischen Projekte von Henselmann.

Anerkennend ernannte der Magistrat der Stadt Berlin Erhardt Gießke 1958 zum Baudirektor. Der nächste Höhepunkt seiner Karriere war 1964, als er zum Direktor des Instituts für Industriebau an der Bauakademie ernannt wurde. Diese Position als Direktor der Aufbauleitung Sondervorhaben Berlins ermöglicht es ihm sich an vielen repräsentativen Bauwerken Berlin zu beteiligen.

Immer zentral, immer modern – Vom alten zum Neuen IHZ

Geschichte und Bau des neuen IHZ

Das IHZ-Hochhaus wurde in den siebziger Jahren unter Federführung von Professor Gißke errichtet, in den neunziger Jahren modernisiert und Anfang 2000 um zwei Schwesterbauten erweitert. Zentral, markant, modern: Das IHZ gilt als einer der besten Unternehmensstandorte in Berlin. Wer hier arbeitet, hat einen weiten Blick über Berlin – mittendrin und hoch oben.

Die Schwesterbauten des IHZ wurden um die Jahrtausendwende errichtet. Eine gläserne Passage verbindet das alte IHZ mit den neuen, U-förmigen Schwestergebäuden. Das neue IHZ ist kein Anbau, sondern die Realisierung eines modernen Ensembles.

Die zwei 35 Meter hohen Schwesterbauten sind zur Friedrichstraße geschlossen und öffnen sich zum Internationalen Handelszentrum hin. Dies lässt das 93 Meter hohe IHZ optisch näher an die Friedrichsstraße heranrücken und lässt den wuchtigen Turm dadurch zugänglicher wirken.

Eine gläserne Passage verbindet das alte mit dem neue IHZ. Der Abstand zwischen den beiden Gebäuden beträgt 16 Meter – die klassische Berliner Straßenbreite. Die kleine Plaza, zwischen den siebengeschossigen Blöcken, führt von der Friedrichstraße auf eine großzügige Glashalle zu. Diese erstreckt sich über vier Geschosse. Sie liegt quer vor dem Hochhaus und verbindet es mit den beiden vorgelagerten Bauten. Die gläserne Halle dient unter anderem als Cafeteria eines im neuen IHZ residierendem Hotels. Darüber hinaus wird die Glashalle von den Mietern des Hauses für Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt.

Das Büro RKW Architektur entwarf und gestaltete das neue IHZ; der Städtebau war verantwortlich für den Bau. Durch die Bebauung wurde die letzte große Baulücke geschlossen und somit der historische Torcharakter der Friedrichstraße wieder hergestellt.

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Friedrichstraße – Eine Straße mit Tradition

Die Friedrichstraße gehört zu den ersten Adressen in Berlin, nicht allein wegen ihrer exponierten Lage im Zentrum der Stadt. Mehr noch, die Friedrichstraße ist ein besonderer Ort – eben eine Straße mit Tradition. 

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