Friedrichstraße - Eine Straße mit Tradition

Eine Straße mit viel Geschichte

Die Friedrichstraße steht seit mehr als 200 Jahren für Handel, weltoffenes Lebens und Kultur. Hier begann die Geschichte eines Café Kranzlers, hier flimmerte der erste Kinofilm, hier ereignete sich Weltgeschichte.

Allerdings ist sie weder die älteste, noch mit ihren 3,3 Kilometern die längste Straße Berlins. Sie zieht sich durch die Mitte der Stadt, von Nord nach Süd. Gerade, ohne Kurven, Hemmnisse und Umwege. Sie war die Straße der Bürger, Händler und Huren. Immer schon war sie Kulturmeile und Flanierboulevard, aber auch ein Nährboden für Gold und Geld. Einst beherbergte sie die meisten Puffs und Varietés der Stadt, berühmte Einkaufpassagen, Restaurants und Cafés. Künstler, Schriftsteller, Wissenschaftler und Politiker fühlten sich an der Friedrichstraße zu Hause.

Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich die Friedrichstraße von einer Wohnstraße zu der Einkaufs- und Amüsiermeile. Der Krieg und das geteilte Berlin haben die einstige Flaniermeile für Jahrzehnte fast in der Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen. Eher zweifelhaften Ruhm brachten ihr die beiden Grenzübergänge am Bahnhof Friedrichstraße und Checkpoint Charlie ein.

Nach dem Mauerfall ist es der Friedrichstraße gelungen, an die ursprüngliche Bedeutung wieder anzuknüpfen. Nach und nach sind wieder Luxus und Eleganz eingezogen.

 

Angelegt im Zuge der Stadterweiterung

1688 wurde die Friedrichstraße im Zuge der Stadterweiterung angelegt. Ursprünglich reichte sie nur von der Dorotheen- bis zur Zimmerstraße. Beim Ausbau der Spandauer Vorstadt, Ende des 17. Jahrhunderts, wurde sie nach Norden verlängert, später auch nach Süden. Sie durchzog in gerader Linie die ganze Stadt. Die beiden Stadttore Oranienburger Tor im Norden und Hallesches Tor im Süden galten als Stadtgrenze.

Ursprünglich waren die Häuser zweigeschossig; bei stattlicheren Bauten wurden drei Geschosse zugelassen. Zahlreiche Menschen hatten sich entlang der Friedrichstraße niedergelassen, nicht selten vermögende und erfahrene Leute – Ärzte, Goldschmiede, Schneider, Schlosser. Auch die königlichen Beamten, Offiziere und Soldaten waren hier zu Hause.

Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden unter Friedrich dem Großen anstelle schlichter Wohnhäuser palaisartige Bauten nach den Entwürfen von Gontard, Unger und Langhans. Der Bereich südlich der Linden galt als vornehme Gegend und Zentrum des geistigen Lebens. Die Entwicklung der Industrie prägte auch das Gesicht der Friedrichstraße. Vor dem Oranienburger Tor wuchs um 1820 mit der neuen Berliner Eisengießerei ein wichtiges Berliner Industriezentrum. Borsig baute hier seine erste Dampfmaschine.

Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich die Friedrichstraße von einer Wohnstraße zu der Einkaufs-und Amüsiermeile. Um 1900 lockten zwischen Weidendammer Brücke und Leipziger Straße zahllose Geschäfte, Bierhäuser, Weinlokale, Hotels und Theater – wie der Wintergarten und Admiralspalast, die Massen an. Tanzlokale mit tausend Plätzen existierten neben Luxusgaststätten und eleganten Bars. Der goldene Glanz der 20er Jahre ließ sich an der Friedrichstraße spüren. Der Krieg und die Teilung Berlins sollten dieses Kapitel für lange Zeit schließen.

 

Der legendäre Checkpoint Charlie

Am 13. August 1961 erlebte die Friedrichstraße ungewöhnliche Hektik. Lastkraftwagen donnerten durch die Dunkelheit, Jeeps und Polizeiwagen jagten vorweg. Ein Teil der Truppen hatte am Bahnhof Endstation, eine weitere Formation preschte zum Brandenburger Tor. Der Rest setzte seine Fahrt bis zur Zimmerstraße fort. In fieberhafter Eile entstanden zunächst provisorische Straßensperren. Dreizehn offene Kontrollpunkte wurden an jenem 13. August eingerichtet, einer davon im Bereich Friedrich-/Ecke Zimmerstraße. Er bekam auf westlicher Seite nach amerikanischer Nomenklatur den Namen Checkpoint Charlie.

Im Herbst 1961 nahm die politische Spannung in der Stadt, in Europa, in der Welt zu. Die Konfrontationslinie in der Friedrichstraße wurde im Oktober 1961 zur Frage von Krieg und Frieden. Am 25. Oktober gingen am Checkpoint Charlie mehrere US-Panzer in Stellung. Am nächsten Tag postierten sich im östlichen Teil der Friedrichstraße zehn sowjetische Panzer. Nicht einmal 200 Meter entfernt standen sich die Streitkräfte der ehemaligen Siegermächte gegenüber, die Panzerrohre aufeinander gerichtet. Achtundvierzig Stunden lang reckten die Panzer drohend ihre Geschützrohre gegeneinander. Am Morgen des 28. Oktober zogen sich die sowjetischen Soldaten zurück, nachdem Staatschef Chruschtschow persönlich den Befehl dazu gegeben hatte. Zuvor hatte sich der US-Präsident telefonisch für eine Entschärfung des Konflikts eingesetzt. Kurz darauf räumten auch die amerikanischen Panzer die Stellung.

Nicht zuletzt wegen dieser Tage im Oktober wurde das politische Bauwerk Mauer zum Schauplatz spektakulärer Auftritte. Immer mal wieder tauchten Politiker von Rang am Checkpoint Charlie auf. Im Juni 1963 machte sich der US-Präsident John F. Kennedy ein Bild davon. Gemeinsam mit Bundeskanzler Adenauer und dem Berliner Regierenden Bürgermeister Willy Brandt stieg er auf das Holzpodest auf der westlichen Seite der Friedrichstraße und ließ sich Mauer und Grenzanlagen zeigen. Am 22. Juni 1990 schließlich wird der Checkpoint Charlie in Gegenwart der Außenminister der vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges und der beiden deutschen Staaten in einer feierlichen Zeremonie abgebaut.

 

Ein Ort der Eleganz und der Entscheidungen

Der Mauerfall machte den Weg frei, um an die ursprüngliche Bedeutung anzuknüpfen. Seit Mitte der 90er Jahre entstand Stück für Stück eine „neue Welt“ – attraktive Geschäfte, exklusive Hotels und repräsentative Firmenniederlassungen haben an der Friedrichstraße ihren Sitz gefunden. Mit ihnen sind wieder Luxus und Eleganz eingezogen, für die die Flaniermeile schon vor 100 Jahren berühmt war. Nicht nur die Geschäftswelt auch die internationale Mode hat sich an der Friedrichstraße etabliert. Im Quartier 206 zeigen Spitzendesigner aus aller Welt Haute Couture, nebenan bietet das französische Kaufhaus Lafayette luxuriöses Einkaufen.

Doch hier wird nicht nur flaniert, eingekauft und genossen. Hier werden Kontakte angebahnt, Geschäfte ausgehandelt und Abschlüsse besiegelt. Hier werden Fäden der Macht gesponnen, zu Politik verwoben, Entscheidungen gefällt. Hier werden Stories recherchiert. Tagsüber erfüllen Touristen, Geschäftsleute, Journalisten und Politiker die Friedrichstraße mit Leben.

Abends erobern die Gäste der Theater und Opern die Umgebung. Berlin-Mitte ist wieder der Ort, an dem die wichtigen Entscheidungen fallen. Bundespresseamt, Bundeskanzleramt, Ministerien, Botschafter, Museumsinsel befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft des IHZ. Zahlreiche Verbände und Repräsentanzen, internationale Redaktionen sowie die großen Fernsehstudios rings um die Friedrichstraße angesiedelt. Hier spürt man das pulsierende Leben der Großstadt.

 

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Prachvoll verzierter Bau mit stuckverzierten Wänden und gläserner Decke, zahlreiche Tische für die Hotelgäste, Zierpflanzen und Palmen als Dekoration.
Der Wintergarten des Central Hotels an der Friedrichstraße, 1881  © Quelle: Wikipedia, Foto Hermann Rückwardt
Eine historische Aufnahme, viele Menschen sind unterwegs, es fahren erste Autos
Die Friedrichstraße um 1900  © Quelle: Wikipedia/August Fuhrmann
Historisches Foto mit Blick auf die kunstvoll verzierten Fassaden entlang der Friedrichstraße.
Die Friedrichstraße im Dezember 1909  © Quelle: Wikipedia
Die historische Friedrichstraße zeigt schon 1935 regen Automobilverkehr.
Friedrichstraße Ecke Leipziger Straße im Jahr 1935  © BArch, Bild 146-1977-061-21/ Kurt Breuer
Grenzübergang Checkpoint Charlie
Checkpoint Charlie  © (c) WBM
Mauermuseum "Haus am Checkpoint Charlie"
Mauermuseum "Haus am Checkpoint Charlie"  © (c) WBM
Luxus & Shopping im Quartier 206
Luxus & Shopping im Quartier 206  © (c) WBM